Europäische Union
1993 Maastricht, Niederlande
Kurz gesagt
Im Februar 1992 unterzeichneten zwölf Länder der Europäischen Gemeinschaft in der niederländischen Stadt Maastricht einen neuen Vertrag. Als er am 1. November 1993 in Kraft trat, entstand die Europäische Union. Seitdem ist, wer Bürger eines Mitgliedslandes ist, auch Unionsbürger und kann in den anderen Ländern der Union leben, studieren und arbeiten. Der Vertrag bereitete auch die gemeinsame Währung vor. Heute hat die Union 27 Länder.
Warum das wichtig ist Die Union ermöglicht Millionen Menschen, in andere Länder zu ziehen und zu studieren, zum Beispiel mit dem Programm Erasmus.
Quelle: European Union, „Storia dell'Unione europea“

Lernblatt etwa 4 Minuten Lesezeit
Die Geschichte
Vom Gemeinsamen Markt zu mehr
Ende der Achtzigerjahre hatte die Europäische Gemeinschaft zwölf Länder und einen großen Markt, in dem sich Waren und Menschen mit immer weniger Hindernissen bewegten. Aber die Führer spürten, dass das nicht mehr genügte. Im Jahr 1989 war die Berliner Mauer gefallen, und Deutschland bereitete sich auf die Wiedervereinigung vor: Die Nachbarländer fürchteten einen neuen Riesen im Herzen Europas und wollten Deutschland deshalb noch stärker an die anderen binden. Der französische Präsident François Mitterrand und der deutsche Kanzler Helmut Kohl drängten mit Unterstützung des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, zu einer tieferen Integration.
Man beschloss, an einem neuen Vertrag zu arbeiten, der nicht mehr nur die Wirtschaft betraf, sondern auch Politik, Sicherheit, Justiz und vor allem eine gemeinsame Währung. Nach Monaten der Verhandlungen unterzeichneten die zwölf Länder den Vertrag am 7. Februar 1992 in der niederländischen Stadt Maastricht.
Was sich änderte
Der Vertrag von Maastricht brachte mehrere Neuerungen. Zuerst änderte er den Namen: Aus der Europäischen Gemeinschaft wurde die „Europäische Union“. Dann führte er die Unionsbürgerschaft ein: Jeder Bürger eines Mitgliedstaats wurde auch Bürger der Union, mit dem Recht, in allen anderen Mitgliedsländern zu leben, zu arbeiten und an Kommunal- und Europawahlen teilzunehmen. Er stärkte das Europäische Parlament, die seit 1979 von den Bürgern direkt gewählte Versammlung. Er sah außerdem eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und eine Zusammenarbeit in Justiz und Innerem vor.
Der Vertrag schuf auch den Europäischen Bürgerbeauftragten, an den sich Bürger wenden können, wenn sie meinen, eine Institution habe einen Fehler gemacht, und den Ausschuss der Regionen, in dem Vertreter von Städten und Regionen sitzen. Er führte außerdem das Subsidiaritätsprinzip ein: Die Union greift nur ein, wenn ein Problem auf europäischer Ebene besser gelöst wird als von den einzelnen Staaten.
Der berühmteste Teil betraf die Währung. Die Länder, die eine einheitliche Währung einführen wollten, mussten einige Regeln einhalten, um die Finanzen in Ordnung zu halten: niedrige Inflation, Staatsschulden und Defizit unter bestimmten Grenzen. Das sind die „Maastricht-Kriterien“, über die man in Italien in den Neunzigerjahren sehr viel sprach, weil sie die Regierung zwangen, die Ausgaben zu kontrollieren und Opfer zu bringen, um in den Euro zu kommen.
Ein nicht leichter Weg
Die Bürger waren nicht immer einverstanden. Im Juni 1992 sagten die Dänen in einer Volksabstimmung Nein zum Vertrag; Frankreich billigte ihn im September nur knapp, mit etwa 51 % der Stimmen. Am Ende erhielt Dänemark, dass es bei einigen Teilen wie der gemeinsamen Währung draußen bleiben durfte, und stimmte im Jahr darauf erneut ab und nahm an. Der Vertrag trat am 1. November 1993 in Kraft: An diesem Tag entstand offiziell die Europäische Union. Das Vereinigte Königreich erhielt seinerseits das Recht, den Euro nicht zu übernehmen.
Kurz zuvor, am 1. Januar 1993, war der „Binnenmarkt“ gestartet: ein Raum ohne Warenkontrollen, in dem Personen, Kapital, Güter und Dienstleistungen theoretisch frei zirkulieren konnten. Die Schengener Abkommen, 1985 unterzeichnet und dann erweitert, hoben mit der Zeit die Grenzkontrollen zwischen dem größten Teil der Länder auf, ab 1995. Und mit dem 1987 gestarteten Erasmus-Programm konnten Hunderttausende Studenten eine Studienzeit in einem anderen Land verbringen.
Eine wachsende Union
Nach 1993 erweiterte sich die Union. Im Jahr 1995 traten Österreich, Finnland und Schweden bei. Im Jahr 2004 gab es die größte Erweiterung mit zehn neuen Ländern, viele aus dem ehemaligen kommunistischen Block; dann kamen Bulgarien und Rumänien 2007 und Kroatien 2013. Das Vereinigte Königreich hat nach einer Volksabstimmung im Jahr 2016 die Union am 31. Januar 2020 verlassen, und heute gibt es siebenundzwanzig Mitgliedstaaten.
Warum es geschah
Die Entstehung der Union kam aus dem Wunsch, die europäische Einheit nach dem Ende des Kalten Krieges zu festigen und sich auf die deutsche Wiedervereinigung vorzubereiten. Für Frankreich und Deutschland und für die anderen Länder war die gemeinsame Währung auch eine Möglichkeit, die wirtschaftlichen Schicksale für immer zu verbinden.
Dazu kam die Wirtschaft: Ein Binnenmarkt funktioniert mit einer einheitlichen Währung besser, ohne die Kosten und Risiken, jedes Mal eine Währung in eine andere zu tauschen. Und mit der Globalisierung liefen die europäischen Länder einzeln Gefahr, gegenüber Riesen wie den Vereinigten Staaten und China wenig zu zählen.
Was sich veränderte
Aus dem Vertrag von Maastricht ist die heutige Europäische Union entstanden, mit ihrer Bürgerschaft, ihrem Parlament, ihrer Zentralbank und ihrer Währung. Im Jahr 1999 begann der Euro in den Büchern und den Banken zu existieren und 2002 in den Taschen der Bürger: Heute benutzen ihn einundzwanzig Länder der Union.
Die Europäer können in vielen Ländern reisen, studieren, arbeiten und leben, ohne Pass oder Aufenthaltsgenehmigung. Die europäischen Regeln, vom Datenschutz bis zur Produktsicherheit, betreffen mehr als vierhundert Millionen Menschen.
Die Union hat auch schwierige Krisen bewältigt, wie die Finanzkrise von 2008, die Ankunft von Flüchtlingen und die Pandemie, und diskutiert noch darüber, wie viel Souveränität die Länder abgeben sollen. Aber seit 1993 zieht sie weiter Länder an, die beitreten wollen.
Wichtige Menschen und Orte
Menschen
- Jacques Delors
- Französischer Politiker (1925-2023): Präsident der Europäischen Kommission von 1985 bis 1995.
- François Mitterrand
- Präsident Frankreichs von 1981 bis 1995 (1916-1996): einer der Väter des Vertrags.
- Helmut Kohl
- Deutscher Bundeskanzler (1930-2017): Er unterstützte die gemeinsame Währung und die Wiedervereinigung.
- Altiero Spinelli
- Italienischer Politiker (1907-1986): Autor des Manifests von Ventotene, es inspirierte die Idee eines föderalen Europa.
- Ruud Lubbers
- Niederländischer Ministerpräsident (1939-2018): Er führte das Land von Maastricht während der Verhandlungen.
Orte
- Maastricht, Niederlande
- Die Stadt, in der der Vertrag am 7. Februar 1992 unterzeichnet wurde.
- Brüssel, Belgien
- Die Hauptstadt, in der Kommission, Rat und ein Teil des Europäischen Parlaments ihren Sitz haben.
Gut zu wissen
- Der Vertrag von Maastricht wurde am 7. Februar 1992 unterzeichnet und trat am 1. November 1993 in Kraft.
- In der französischen Volksabstimmung über den Vertrag gab es etwa 51 % Ja-Stimmen.
- Heute hat die Europäische Union siebenundzwanzig Mitgliedstaaten.
- Das 1987 entstandene Erasmus-Programm ist nach dem Humanisten Erasmus von Rotterdam benannt.
- Im Jahr 1992 stimmten die Dänen mit „Nein“ zum Vertrag, nahmen ihn dann in einer zweiten Volksabstimmung mit einigen Ausnahmen an.
Zum Weiterlesen
- European Union, „History of the EU: 1990-99“ (auf Englisch) european-union.europa.eu
- Wikipedia, Artikel „Vertrag von Maastricht“ de.wikipedia.org
- Wikipedia, Artikel „Europäische Union“ de.wikipedia.org
- Wikipedia, Artikel „Vertrag von Maastricht“ de.wikipedia.org
Verwandte Ereignisse
- Entstehung der Europäischen Gemeinschaft1957 · HeuteIm Jahr 1957 hatten die Römischen Verträge die Gemeinschaft gegründet.
- Euro im Umlauf2002 · HeuteIm Jahr 2002 kam der Euro in Umlauf.
- Fall der Berliner Mauer1989 · HeuteDer Fall der Mauer beschleunigte die europäische Integration.
- Große Finanzkrise2008 · HeuteDie Krise von 2008 stellte die einheitliche Währung auf die Probe.
Davor und danach, in der Epoche „Heute“
Ereignis 15 von 25
DavorDNA als Doppelhelix1953
DavorImpfstoff gegen Kinderlähmung1955
DavorEntstehung der Europäischen Gemeinschaft1957
DavorErster künstlicher Satellit1957
DavorErster Mensch im Weltraum1961
DavorPop-Artca. 1962
DavorDie Beatles1963
DavorMartin Luther King und die Bürgerrechte1963
DavorMondlandung1969
DavorInternet: erste ARPANET-Verbindungen1969
DavorTag der Erde und Umweltbewegung1970
DavorPersonal Computer1977
DavorFall der Berliner Mauer1989
DavorWorld Wide Web1991
Du bist hierEuropäische Union1993
DanachNelson Mandela wird Präsident1994
DanachInternationale Raumstation1998
DanachEuro im Umlauf2002
DanachDas moderne Smartphone2007
DanachGroße Finanzkrise2008
DanachMalala, Friedensnobelpreis2014
DanachPariser Klimaabkommen2015
DanachErstes Bild eines Schwarzen Lochs2019
DanachCOVID-19-Pandemie2020
DanachWebb-Teleskop beginnt mit den Beobachtungen2022
Hör rein / Lies weiter
- Musik zum Lesen: Cinematic JourneyEpische Filmmusik ohne Gesang von Ciro Simone IrmiciSpotifyYouTube Music
Was gleichzeitig anderswo geschah
Weitere Ereignisse der Epoche „Heute“
- DNA als Doppelhelix
- Impfstoff gegen Kinderlähmung
- Entstehung der Europäischen Gemeinschaft
- Erster künstlicher Satellit
- Erster Mensch im Weltraum
- Pop-Art
- Die Beatles
- Martin Luther King und die Bürgerrechte
- Mondlandung
- Internet: erste ARPANET-Verbindungen
- Tag der Erde und Umweltbewegung
- Personal Computer
- Fall der Berliner Mauer
- World Wide Web
- Nelson Mandela wird Präsident
- Internationale Raumstation
- Euro im Umlauf
- Das moderne Smartphone
- Große Finanzkrise
- Malala, Friedensnobelpreis
- Pariser Klimaabkommen
- Erstes Bild eines Schwarzen Lochs
- COVID-19-Pandemie
- Webb-Teleskop beginnt mit den Beobachtungen